George Zeller
Originaltitel: The Dangers of Reformed Theology
Deutsche Ausgabe: Patrick Tschui Übersetzung: Christa Berger
© 2000/2004, George Zeller, The Middletown Bible Church, 349 East Street, Middletown CT 06457, USA
Die in dieser Schrift erwähnten Broschüren und Skripte sind unter www.middletownbiblechurch.org abrufbar oder kostenlos erhältlich bei:
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Wenn zu einer Literaturangabe kein Autor erwähnt ist, so handelt es sich stets um Schriften von George Zeller.
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen vom deutschen Herausgeber.
Einleitung 7
1. Begrenzte Sühne 8
2. Wiedergeburt vor Glaube? 15
3. Der Glaube – Gottes Gabe? 17
4. Lordship salvation 18
5. Die alte Natur 21
6. Das Tausendjährige Reich 23
7. Bundestheologie 23
8. Der Gläubige und das Gesetz 27
9. Der verherrlichte Herr 34
10. Die himmlische Stellung des Gläubigen 36 Schlussbemerkungen 37 Anmerkungen 38
„Prüft alles (anhand des Wortes), das Gute behaltet!“ (1Th 5,21). So sagt es die Schrift. Als an Jesus Christus gläubig Gewordene sind wir dafür verantwortlich, all das, was die Menschen lehren, anhand des unfehlbaren Wortes Gottes zu prüfen und zu untersuchen. Dies möchten wir nun auch im Blick auf die Reformatorische Theologie tun. Möge der Herr schenken, dass diese Kritik angemessen und zutreffend, und vor allem im Einklang mit dem Worte Gottes sei.
Die tiefgründigen biblischen und theologischen Fragen, die im Zusammenhang mit den in der Broschüre behandelten Themen auftauchen, können in einer solch kurzen Studie wohl kaum hinreichend beantwortet werden. In diesem Bewusstsein verweisen wir den Leser immer wieder auf weiterführende Literatur, welche sich eingehender mit den einzelnen Themen befasst.
Bevor wir uns den Gefahren zuwenden, die von bestimmten Lehren der Reformatorischen Theologie ausgehen, wollen wir uns einige positive Aspekte dieser Bewegung bewusst machen:
1) Die Bibel (mit ihren 66 Büchern) gilt als der einzige Massstab für den Glauben und die Lebenspraxis. Reformatorische Christen haben eine tiefe Ehrfurcht und Achtung vor dem Wort Gottes. Sie nehmen die Lehre von der Inspiration in der Regel sehr ernst und dulden keinerlei Zweifel an der Unfehlbarkeit des Wortes Gottes. Möchten auch wir als solche erfunden werden, die vor Gottes Wort zittern (Jes 66,2).
2) Die Rechtfertigung durch Glauben und andere wichtige Lehren der Reformation, wie zum Beispiel die des allgemeinen Priestertums und der alleinigen und höchsten Autorität der Heiligen Schrift, erhalten ihren rechtmässigen Platz. Uns bleibt nur der Dank an Gott dafür, dass diese wunderbaren Wahrheiten von den frühen Reformatoren wieder entdeckt und ans Licht gebracht worden sind.1
3) Die Gnade Gottes wird gebührend gepriesen. Die Verdorbenheit des menschlichen Herzens wohl kennend, danken reformatorische Christen Gott aus tiefstem Herzen für seine unfassbare, überströmende Gnade, die auch für den grössten Sünder ausreicht. Jeder Gläubige sollte in ihr Rühmen über unseren gnädigen und barmherzigen Erlöser und in ihren Jubel über seine unübertreffliche Gnade einstimmen.
4) Indem sie die Verdorbenheit des Menschen und die Herrlichkeit und Souveränität Gottes betonen, stellen reformatorische Christen Gott ins Zentrum und nicht, wie dies heute leider sogar in evangelikalen Kreisen oft der Fall ist, den Menschen. Die Reformatorische Theologie hält den Menschen niedrig und erhöht Gott, dem alle Ehre gebührt. So sollte es auch sein, „denn von Ihm und durch Ihn und für Ihn sind alle Dinge; Ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.“ (Röm 11,36).
5) Reformatorische Christen sind oft von einer gesunden Gottesfurcht und einer tiefen Abscheu gegen die Sünde geprägt. Sie haben auch tiefen Respekt für die absoluten moralischen Standards der Heiligen Schrift, wie sie uns besonders in den zehn Geboten vorgestellt werden. „Sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!“ (1Pt 1,15-16).
6) Der Reformatorischen Theologie kommt weiter zugute, dass es in ihren Reihen zahlreiche Männer Gottes gab und gibt, die ganz klar unseren Respekt verdienen. Diese Männer haben die Schrift fleissig studiert und ihre Gelehrsamkeit scheut keine Vergleiche. Viele haben ein gottseliges Leben in Christus Jesus geführt und ihre Hingabe an ihren Erlöser ist allen offenbar geworden. Da sind zum Beispiel J.C. Ryle, John Calvin, John Bunyan, Jonathan Edwards, B.B. Warfield,
J.G. Machen, M. Lloyd-Jones, J. Murray, A.W. Pink, Jay Adams, R.C. Sproul, John MacArthur2, um nur einige zu nennen. Diese Männer haben, zusammen mit vielen anderen, einen äusserst wichtigen und grundlegenden Beitrag zur Sache des Herrn geleistet. Möchten wir ihnen doch nacheifern, wie auch sie Christus nachgeeifert sind.
7) Die reformatorischen Christen sind in der Verbreitung ihres Gedankengutes äusserst erfolgreich. Dies geschieht nicht so sehr durch Gemeindearbeit vor Ort, sondern vor allem durch ihre Literatur. Reformatorische Autoren haben mit ihren Schriften den gesamten christlichen Buchmarkt durchdrungen. Die grosse Mehrheit aller theologischen Bücher und Bibelkommentare sind aus reformatorischer Sicht geschrieben. Die frühen Dispensationalisten wie Darby, Kelly und Ironside griffen zwar auch mit Vollmacht zur Feder und brachten eine Fülle von Büchern hervor, welche in wunderbarer Weise auf Christus hinweisen, doch haben ihre Nachfolger das angefangene Werk nicht mit demselben Fleiss weitergeführt. So kommt zum Beispiel heute kein Dispensationalist, weder in Qualität noch in Quantität, auch nur annähernd an den Reformatorischen Autor und Verfasser der New Testament Commentaries, William Hendriksen (nun beim Herrn), heran (obwohl D. Edmond Hiebert, ein treuer Diener Gottes, in diesem Gebiet auch Beachtliches geleistet hat). R.C. Sproul bringt ja nahezu jeden Monat ein neues Buch heraus! Die meisten, die sich der Reformatorischen Theologie zugewandt haben, werden zugeben, dass sie durch die Lektüre bestimmter Bücher zu dieser Überzeugung gelangt sind3. Obwohl wir nicht mit allem einverstanden sind, was sie schreiben, wollen wir doch den Fleiss, mit dem die reformatorischen Christen ihren Standpunkt bekanntgemacht haben, anerkennen.
So gibt es innerhalb der reformatorischen Bewegung viel Lobenswertes. Diese sieben Punkte (weitere könnten hinzugefügt werden) muss man ihr hoch anrechnen. Im Allgemeinen wird Gott in dieser Bewegung geehrt, Christus verkündigt, die Sünde verurteilt; Gott wird als der souveräne Herrscher anerkannt und die wunderbare Lehre der Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben verkündigt, wie es die Schrift sagt. Mögen diese Dinge auch von uns gesagt werden können!
Doch trotz allem Respekt für diese Bewegung, sowohl für ihre Anhänger als auch für die Früchte, die sie hervorgebracht hat, fühlen wir uns gedrängt, auf die lehrmässigen Schwachstellen und Gefahren der Reformatorischen Theologie aufmerksam zu machen.
Die Gläubigen waren von je her in Gefahr, gewisse göttliche Wahrheiten zu stark zu betonen, andere wiederum zu vernachlässigen. Die Fehler passieren meistens dort, wo man versucht, die göttliche Wahrheit ganz erfassen zu können, indem man sie in ein menschlich-theologisches System presst. C.H. Mackintosh meint dazu:
Gott hat sich noch nie in die engen Grenzen irgendeines theologischen Systems pressen lassen, sei es nun hochstehend oder einfach. Er hat sich geoffenbart. Er hat die tiefsten und wertvollsten Geheimnisse seines Herzens kundgemacht. Er hat seinen ewigen Ratschluss in bezug auf die Gemeinde, das Volk Israel, die Heiden und die gesamte Schöpfung enthüllt. Die gewaltige Fülle göttlicher Offenbarung in einem schwachen, begrenzten, menschlichen Lehrgebäude erfassen zu wollen, ist etwa dasselbe, wie wenn man versucht, den Ozean in einen Behälter, geformt nach dem eigenen Vorstellungsvermögen, zu schöpfen. Es ist nicht möglich, und sollte gar nicht erst unternommen werden. Wie viel besser wäre es doch, die ganze Gelehrsamkeit und all die Lehrgebäude auf der Seite zu lassen und wie ein Kind zur der nie versiegenden Quelle des Wortes Gottes zu kommen und das lebensspendende Wasser der göttlichen Unterweisung in sich aufzusaugen.4
An anderer Stelle schreibt Mackintosh:
Lieber Freund, deine Probleme sind auf ein einseitiges Lehrgebäude zurückzuführen [extremer Calvinismus] – ein System, das wir mit einem Vogel vergleichen müssen, der nur einen Flügel hat, oder mit einem Boot, das nur ein Ruder hat. Wenn wir uns aber der Heiligen Schrift zuwenden, finden wir die WAHRHEIT. Nicht nur eine Seite der Wahrheit, sondern die ganze Wahrheit mit allem, was sie beinhaltet. Wir finden dort, Seite an Seite, die Wahrheit der göttlichen Souveränität und die Wahrheit der menschlichen Verantwortung. Ist es unsere Aufgabe, sie miteinander zu versöhnen? Nein, sie sind schon miteinander versöhnt, da uns beide im Wort Gottes dargelegt werden. Wir brauchen nur zu glauben und zu gehorchen. Es ist ein verhängnisvoller Fehler, die Lehre der Heiligen Schrift in einem System erfassen zu wollen. Göttliche Wahrheiten lassen sich genausowenig systematisieren wie Gott selbst. Kommt, lasst uns alle theologischen Systeme und Lehrgebäude fallen und die Wahrheit ergreifen.5
Möge der Herr uns Gnade schenken, völlig dem Wort Gottes zu folgen und nicht schwachen und fehlerhaften menschlichen Systemen. Im Folgenden werden wir nun einige Punkte behandeln, in denen die Reformatorische Theologie von der ausgewogenen und einfachen Lehre des Wortes Gottes abgekommen ist, insbesondere was das Versöhnungswerk und den rettenden Glauben angeht.
Die Lehre der „begrenzten Sühne“ [engl. „limited atonement“], die von reformatorischen Christen vorzugsweise „wirksame Sühne“ [engl. „definite atonement“] genannt wird, besagt, dass Christus bei seinem Tod am Kreuz nur die Sünden der Erwählten auf sich genommen habe, ja, dass er nur für die Erwählten gestorben sei. Für diejenigen, die am Ende in den Feuersee geworfen würden, sei er nicht gestorben. Es wird oft auch so ausgedrückt: „Christus starb für alle Menschen ohne Unterschied, aber er starb nicht für alle Menschen ohne Ausnahme.“ Dies ist ein raffiniertes Wortspiel, mit dem sie sagen können, er sei für alle gestorben, ohne es wirklich gesagt zu haben. In Wirklichkeit meinen sie damit, dass Christus zwar für alle Arten und Klassen von Menschen gestorben sei, aber nicht für jede einzelne Person. Dies würde heissen, dass er für Juden und Hei-den, Arme und Reiche, Sklaven und Freie, Männer und Frauen, usw. gestorben ist, aber eben nur für erwählte Juden und Heiden, erwählte Arme und Reiche, usw.
Dr. Paul Reiter hat auf einfache, klare Weise zusammengefasst, was die Bibel zu dieser Frage sagt. Christus starb für:
1) alle (1Tim 2,6; Jes 53,6; Hebr 2,9)
2) jedermann (2Pt 3,9)
3) die Welt (Joh 3,16)
4) die Sünden der ganzen Welt (1Joh 2,2)
5) die Gottlosen (Röm 5,6)
6) falsche Lehrer (2Pt 2,1)
7) viele (Mt 20,28)
8) Israel (Joh 11,50-51)
9) die Gemeinde (Eph 5,25)
10) „mich“ (Gal 2,20)
Ein Christ, der selbst nicht glaubte, dass Christus für alle gestorben ist, machte einmal das bemerkenswerte Eingeständnis: „Falls Christus wirklich für alle Menschen gestorben wäre, wüsste ich nicht, wie die Bibel es noch klarer sagen könnte, als sie es bereits tut.“ Wie wahr dies doch ist.
Im Vorwort zu seinem Buch Forgotten Truths schreibt Sir Robert Anderson: „In den ersten Jahren meines Christenlebens fand ich es äusserst verwirrend und beunruhigend, dass die klaren und einfachen Worte von Bibelstellen wie Johannes 3,16; 1. Johannes 2,2 und 1. Timotheus 2,6 so nicht stimmen sollten, sondern in ihrem verborgenen Sinn nur von Eingeweihten richtig verstanden werden könnten. Die alles überschattende Wahrheit der Souveränität Gottes, so sagte man mir, mache es unmöglich, solche Stellen wörtlich zu nehmen. Es ist nun schon fünfzig Jahre her, seit mich ein alter Freund – der inzwischen heimgegangene Dr. Horatius Bonar – von diesem seltsamerweise so weit verbreiteten Irrtum befreite. Er erklärte mir, dass uns gewisse Aussagen der Schrift nur deshalb unvereinbar erscheinen, weil sie für unseren begrenzten Verstand nicht fassbar seien. Er meinte, wir dürften nie zulassen, dass unser mangelhaftes Verständnis von den ewigen Ratschlüssen Gottes einem uneingeschränkten Vertrauen in die Aussagen der Heiligen Schrift im Weg stünde.“
Der extreme Calvinist muss offensichtlich die eindeutige Sprache und den klaren Sinn vieler Bibelstellen ignorieren und die Heilige Schrift so umdeuten, dass sie in sein theologisches Denkmuster passt. Die Lehre von der begrenzten Sühne mag zwar logisch und vernünftig klingen, doch letztlich geht es nur darum, ob sie biblisch ist. „Denn was sagt die Schrift?“ (Röm 4,3). Wir sollten das, was die Heilige Schrift uns zu sagen hat, einfach in kindlichem Glauben annehmen.
Die Verfechter dieser Lehre versuchen uns weiszumachen, dass „Welt“ nicht wirklich „Welt“ bedeute, „alle“ nicht wirklich „alle“, „jedermann“ nicht wirklich „jedermann“ und „die ganze Welt“ nichtwirklich „die ganze Welt“. Weiter wird uns gesagt, dass so einfache Verse wie Johannes 3,16 oder Jesaja 53,6 nicht so verstanden werden dürften, wie ein Kind sie verstehen würde, sondern so, wie ein Theologe sie verstehen würde. Das heisst also, dass solche Verse so umgedeutet werden sollen, dass sie in unsere theologischen Systeme passen.
Richard Baxter, der vor 300 Jahren lebte, hatte erkannt, dass die Aussagen der Bibel auf normale und natürliche Weise verstanden werden müssen. Er schrieb:
„Nun möchte ich von einem jeden von euch wissen, ob ihr glauben würdet, dass der Christus für alle Menschen gestorben ist, wenn die Heilige Schrift dies eindeutig lehren würde. Wenn dem so ist, so möchte ich von euch wissen, welche Worte ihr gebrauchen würdet oder wie ihr es klarer auszudrücken wünscht, als es bereits geschrieben steht. Ist es nicht genug, dass der Christus „Retter der Welt“ genannt wird? Darauf werdet ihr einwenden: Aber ist er der Retter der ganzen Welt? Ja, die Schrift sagt, dass er das Sühnopfer für die Sünden der ganzen Welt geworden ist. Worauf ihr erwidern werdet: Ja, aber das Sühnopfer gilt nicht allen Menschen in der Welt. Doch, es steht auchgeschrieben,dassersichalsLösegeldfür alle gegebenhat, wie auch für die ganze Welt. Aber, sagt ihr, es steht nirgends, dass dies wirklich jedermann gilt. Doch, in der Schrift steht, dass Gott nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Busse habe. Aber, sagt ihr dann vielleicht, damit ist jeder Erwählte gemeint. Wenn etwas von den Nichterwählten geschrieben stünde, würden wir glauben. Darauf kann ich antworten, dass die Schrift von solchen spricht, die den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen, und die ein schnelles Verderben (Luther: eine schnelle Verdammnis) über sich selbst bringen. Doch all dies scheint all jene, die zum Vornherein vom Gegenteil überzeugt sind, kaum zu berühren.“6
Die biblische Lehre von der Versöhnung könnte folgendermassen zusammengefasst werden:
Beim Opfer des Gotteslammes ging es um die Sünde der Welt (Joh 1,29). Das Werk der Erlösung (1Tim 2,6; 2Pt 2,1), Versöhnung (2Kor 5,19) und Sühnung (1Joh 2,2) gilt für alle Menschen (1Tim 4,10). Doch es ist nur für die wirksam, gültig und anwendbar, die glauben (1Tim 4,10; Joh 3,16). Das Werk am Kreuz ist ohne Einschränkung für alle vollbracht worden, doch Anwendung findet es – durch das Wirken des Heiligen Geistes – allein bei den Gläubigen.
Menschen kommen in die Verdammnis, wenn sie die Person und das Werk Jesu Christi verwerfen und das einzige Heilmittel gegen die Sünde ablehnen (Joh 3,18; 5,40). Ungläubige werden nie sagen können, dass zu ihrer Errettung keine Vorkehrungen getroffen worden seien und dass ihnen keine Rettung angeboten worden sei. Sie werden nie mit den Worten vor Gott hintreten können: „Ich bin nicht errettet, weil Jesus Christus gar nicht für mich gestorben ist.“ Nein, sie sind nicht gerettet, weil sie den Einen verworfen haben, der für sie gestorben ist und der „ein Retter aller Menschen ist“ (1Tim 4,10). Sie bleiben ohne Entschuldigung.
Diese Frage ist nicht bloss akademischer Natur. Sie ist von enormer praktischer Bedeutung. Es geht um den Kern des Evangeliums und darum, wie es verkündigt werden soll. Das Evangelium, welches Paulus den unerretteten Menschen von Korinth predigte, lautete folgendermassen:„... dass Christus für unsere Sünden gestorben ist.“ (1Kor 15,3). Ist unser Evangelium wirklich eine Freudenbotschaft für die ganze Menschheit (vergleiche Lukas 2,10-11)? Was sagen wir den Ungläubigen, wenn wir ihnen das Evangelium verkündigen? Können wir sagen: „Freund, der Herr Jesus ist für dich gestorben. Er hat die Strafe für deine Sünden bezahlt. Er ist an deiner Stelle gestorben.“?
Ein reformatorisch gesinnter Autor schreibt dazu:
... Als christliche Seelsorger sind wir verpflichtet, den Gnadenruf Christi zu verkündigen. Die gute Botschaft, dass Jesus Christus stellvertretend für die Seinen am Kreuz gestorben ist, dass Er ihre Schuld getragen und die Strafe für ihre Sünden erlitten hat, muss weitergesagt werden. Er starb, damit alle, die der Vater Ihm gegeben hat, zu Ihm kommen und ewiges Leben erhalten können. Als reformatorischer Christ glaubt der Verfasser, dass dem unerretteten Ratsuchenden auf keinen Fall zugesichert werden darf, dass Christus für ihn gestorben sei, denn der Seelsorger kann das einfach nicht wissen. Niemand ausser der Herr selbst weiss, wer zu den Erwählten gehört, für die Er gestorben ist [Hervorhebungen durch den Verfasser der Broschüre].7
Dazu hat C.H. Mackintosh einmal folgendes gesagt: „Ein Anhänger der sogenannten „High School of Doctrine“ (d.h. ein konsequenter Calvinist) will von einem weltweit gültigen Evangelium – einer Frohbotschaft, die von der Liebe Gottes zu dieser Welt spricht und die in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel verkündigt wird, nichts wissen. Sein Evangelium gilt nur den Erwählten.“
Wie können wir den Menschen ernsthaft etwas anbieten, das gar nicht für sie bereitet worden ist? Wie können wir ihnen ein Geschenk anbieten, wenn für sie gar keines gekauft worden ist? Wie können wir sie bitten, doch vom Wasser des Lebens zu trinken, wenn für sie kein Wasser da ist?
Wie können wir sie auffordern, sich retten zu lassen, wenn für sie keine Rettung erwirkt worden ist? Wie können wir sagen: „Nehmen Sie diese Medizin und Sie werden geheilt werden“, wenn keine Medizin vorhanden, ja, Heilung gar nicht möglich ist? W. Lindsay Alexander drückt es so aus: „Unter dieser Voraussetzung (dass Christus nur für die Erwählten gestorben sei) bleiben die üblichen Verheissungen und Einladungen des Evangeliums ohne die nötige Basis und klingen wie ein Hohn; wie wenn man jemand etwas anbieten würde, das gar nicht vorhanden ist.“8
Wäre der reformatorische Christ in seiner Verkündigung ganz ehrlich,
müsste sein „Evangelium“ etwa so klingen:
„Vielleicht ist Christus für Sie gestorben.“„Gott liebt Sie womöglich.“„Es ist nicht auszuschliessen, dass Christus sein Blut auch für Sie vergossen hat.“„Es könnte Rettung für Sie geben.“„Gott möchte vielleicht seine Liebe zu Ihnen beweisen.“„Er ist hoffentlich das Sühnopfer für Ihre Sünden.“ „Es ist denkbar, dass Christus stellvertretend für Sie gestorben ist.“„Vielleicht ist dies eine frohe Botschaft für Sie.“ „Es besteht die Möglichkeit, dass Christus für Sie gestorben ist. Wenn Sie gerettet werden, wissen wir, dass er tatsächlich für Sie gestorben ist, aber wenn Sie Christus weiterhin ablehnen, dann ist er nicht für Sie gestorben.“„Christus ist nur für Sie gestorben, wenn Sie glauben, dass Christus für Sie gestorben ist (denn damit würden Sie beweisen, dass Sie zu den Erwählten gehören), wenn Sie aber in Ihrem Unglauben verharren, bis Sie sterben, ist Christus nicht für Sie gestorben.“
Die Vertreter der wirksamen, bzw. begrenzten Sühne verkündigen das Evangelium natürlich nicht so. Wäre eine solche Verkündigung aber nicht die konsequente Umsetzung ihrer Lehre? Wäre dies nicht eine angemessene, behutsame und aufrichtige Verhaltensweise im Umgang mit den Ungläubigen? Ein konsequenter Calvinist muss bei der Verkündi
gung der Botschaft vom Kreuz sehr vorsichtig sein, da er nie sicher sein kann, ob Christus auch wirklich Erlösung für seine Zuhörer erwirkt hat. Robert Lightner meint dazu: „Glaubt man an die begrenzte Sühne, kann die Gute Botschaft von Gottes rettender Gnade nie persönlich angewendet werden. Vertreter dieser Lehre können Ungläubigen im Gespräch nie zusichern, dass Christus für sie gestorben ist, da sie es ja theoretisch mit jemandem zu tun haben könnten, für den Christus eben gerade nicht gestorben ist.“9
John Bunyan drückt es so aus: „Die Heilsbotschaft kann – wenn sie von Gott autorisiert sein soll – nur insoweit dargeboten werden, wie der Tod Christi reicht; denn ausserhalb des Todes Christi gibt es weder Heil noch Gnade weiterzugeben.“ ( aus Works von John Bunyan). Mit anderen Worten: Wie können wir das Evangelium jemandem verkündigen, für den Christus gar nicht gestorben ist? Wie können wir dem Sünder etwas anbieten, das für ihn gar nicht vorhanden ist? Lightner schreibt darüber: „Kein Grundsatz scheint sicherer als der, dass eine Erlösung, die angeboten wird, auch erwirkt worden sein muss.“10
L. Boettner [ein extremer Calvinist] sagt es folgendermassen: „Allgemeingültige Erlösung bedeutet allgemeine Errettung.“ (in Reformed Doctrine of Predestination, S. 156). Extreme Calvinisten glauben, dass jeder, für den Christus gestorben ist, auch tatsächlich gerettet wird. „Wenn Christus für alle gestorben ist, werden auch alle gerettet werden“, erklären sie. Doch lasst uns die Logik dieser Aussage einmal überdenken. Es ist wie wenn man sagen würde: „Wenn die Medizin für alle erhältlich ist, wird auch jeder geheilt werden.“ Doch das ist nicht wahr. Denn die Medizin – wenn auch vorhanden – nützt erst, wenn sie eingenommen wird. Angenommen, in einem Dorf gibt es genug frisches, kühles Wasser für jeden Dorfbewohner.“ Heisst dies, dass tatsächlich jeder Dorfbewohner seinen Durst gestillt bekommt? Nur, wenn jeder von dem Wasser trinkt! Wir müssen zwischen der erwirkten Erlösung und der wirksam gewordenen Erlösung einen klaren Unterschied machen.
Für ein eingehendes Studium dieses wichtigen Themas empfehlen wir die folgenden Broschüren:For Whom Did Christ Die? – A Defense of Unlimited Atonement (mit Abhandlung der relevanten Schriftpassagen)
Saviour of all men – The Meaning of 1 Timothy 4,10 God‘s Willingness and Man‘s Unwillingness
Ausserdem empfehlen wir das Buch:The Death Christ Died, revised edition, Robert Lightner, Kregel 1998
DieextremenCalvinistenmissbrauchendieLehredervölligenVerdorbenheit des Menschen und prägen damit ein falsches Verständnis der menschlichen Unfähigkeit.DerKerkermeisterzuPhilippifragteeinst:„Wasmussichtun, dass ich gerettet werde?“ (Apg 16,30, vergleiche auch Apg 2,37-38). Einige der extremen Calvinisten hätten an Paulus‘ Stelle wohl folgendermassen geantwortet: „Was du tun musst, um gerettet zu werden? Nichts kannst du tun. Absolut nichts. Solange du nicht die Wiedergeburt erlebt hast, bist du geistlich tot und völlig unfähig, auf Gottes Ruf zu antworten!“
Die extremen Calvinisten lehren, dass die Wiedergeburt dem Glauben vorausgeht. Nach ihnen muss man wiedergeboren sein, damit man glauben kann. Man muss ewiges Leben haben, um glauben zu können, denn wer tot in Sünden ist, kann gar nicht glauben. Nach dieser Lehre gibt es keinen Glauben ohne die Wiedergeburt. Den Vertretern dieser Lehre scheint dies alles logisch und vernünftig zu sein, da es genau in das theologische Lehrgebäude passt, dem sie sich zugewandt haben. Doch „was sagt die Schrift?“.
Die Bibel lehrt ganz klar: Glaube, so wirst du gerettet werden! „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben“ (Joh 6,47). „Damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat“ (Joh 3,15). Doch der extreme Calvinist sagt: „Lebe, so wirst du glauben!“ Bemerkenswert ist jedoch, dass Johannes 1,12 eben gerade nicht sagt: „Allen aber, die erneuert worden waren, denen gab er das Anrecht, an seinen Namen zu glauben, denen, die Kinder Gottes geworden sind.“ Zu beachten gilt es auch Johannes 20,31, wo steht: „und damit ihr durch den Glauben Leben habt.“ Es steht dort nicht: „und damit ihr durch das Leben Glauben habt.“ Der Sünder in seinem hilflosen und hoffnungslosen Zustand wird aufgefordert, zum Herrn Jesus Christus aufzublicken und zu leben (Joh 3,14-16; 4Mo 21). (Wir singen: „Wer Jesus am Kreuze im Glauben erblickt, der wird heil zu derselbigen Stund“. Der extreme Calvinist müsste da singen: „Wer da heil geworden ist, der erblickt Jesus am Kreuz zu derselbigen Stund“).
Doch nehmen wir einmal an, das, was die extremen Calvinisten sagen, stimme. Die Wiedergeburt ginge also dem Glauben voraus. Was muss der Sünder dann tun, um gerettet zu werden? Darauf haben die extremen Calvinisten keine befriedigende Antwort. W.G.T. Shedds Ausführungen dazu sind charakteristisch. Da der Sünder nicht glauben kann, werden ihm folgende Übungen nahegelegt:
1) Er soll das Wort Gottes lesen und hören,
2) sich ernsthaft mit der Wahrheit auseinandersetzen und
3) um die Gabe des Heiligen Geistes zur Überführung und Erneuerung
bitten (W.G.T. Shedd, „Dogmatic Theology“, Band 2, Seiten 472, 512
und 513).
Roy Aldrichs Reaktion hierauf ist messerscharf: „Eine Lehre über die totale Verdorbenheit, die ausschliesst, dass der Sünder glauben kann, muss auch ausschliessen, dass er ‚das Wort hören‘, sich ‚mit der göttlichen Wahrheit auseinandersetzen‘ und ‚um den Heiligen Geist zur Überführung und Erneuerung bitten‘ kann. Der extreme Calvinist befasst sich letzten Endes doch mit einem recht lebendigen geistlich Toten.“11
Was diese Position so problematisch macht, ist, dass das Evangelium dadurch verzerrt wird. Dem Sünder wird gesagt, das Gebet, nicht der Glaube, sei die Bedingung zur Errettung. Welch ein Widerspruch zu Apostelgeschichte 16,31. Der Sünder wird dort nicht aufgefordert, um Überführung und Erneuerung zu bitten. Er wird aufgefordert, an den Herrn Jesus Christus zu glauben. Siehe dazu das Faltblatt Geht die Wiedergeburt dem Glauben voraus?
Hier geht es um die Lehre, dass der Glaube eine Gabe Gottes sei. Diese Lehre entspringt einer falschen Auslegung von Epheser 2,8-9: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Got-tes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“ Viele reformatorische Theologen sind fälschlicherweise der Ansicht, das Pronomen „es“ beziehe sich auf „Glauben“. Doch in Wirklichkeit lehrt Paulus hier, dass die Gabe Gottes die Errettung ist. Das Glaubensbekenntnis der IFCA (Independent Fundamental Churches of America), eine Gruppe unabhängiger evangelikaler Gemeinden, bringt dies schön zum Ausdruck. Dort steht: „Wir glauben, dass die Errettung die Gabe Gottes an uns Menschen ist, die durch den persönlichen Glauben an den Herrn Jesus Christus in Anspruch genommen werden kann.“ Die Errettung ist also die Gabe Gottes, während der Glaube die Herzenshand darstellt, die sich ausstreckt, um das Geschenk in Empfang zu nehmen. Wir dürfen die Gabe nicht mit dem In-Empfang-Nehmen der Gabe verwechseln.
ImNeuenTestamentwirdmehrmalsgelehrt,dassdie Errettung (ewigesLeben, Gerechtigkeit) ein Geschenk Gottes ist (Joh 4,10; Röm 5,15-17; 6,23). AufdenrettendenGlaubenbeziehtsichderBegriff„Gabe“oder„Geschenk“ im Neuen Testament jedoch nie. Dies ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass ohne Gottes Barmherzigkeit, gnädige Befähigung und Erleuchtung niemand glauben kann (Joh 6,44,65; Mt 11,27; 16,16-17; Apg 16,14; etc.).
Für ein eingehendes Studium dieses Themas verweisen wir auf die Broschüre What is the Gift of God in Ephesians 2,8-9?
Die Lehre, wonach der Glaube die Gabe Gottes sein soll, hat einige ganz praktische Auswirkungen auf die Verkündigung des Evangeliums. Denn wenn der Glaube die Gabe Gottes ist, stellt sich die Frage, wie ich denn in den Besitz dieser Gabe komme. WiekannichzumeinerErrettungglauben, wenn der Glaube ein Geschenk Gottes ist? Was muss ich tun, dass ich glauben kann? Wie kann ich dieses Geschenk bekommen? Soll ich einfach warten und hoffen, dass Gott in seiner Souveränität es mir verleiht? (Muss ich einfach hoffen, dass ich zu den Erwählten gehöre?) Oder flehe ich Gott an, mir den rettenden Glauben doch zuteil werden zu lassen?
John MacArthur tritt für die zweite Variante ein. Er lehrt, dass der Glaube die Gabe Gottes ist, und empfiehlt dem Sünder, Gott darum zu bitten:
„Glaube ist ein Geschenk Gottes ... es ist dauerhaft ... der Glaube, den Gott schenkt, bewirkt Gehorsam ... Gott hat Ihnen den Glauben geschenkt und erhält ihn Ihnen ... Möge Gott Ihnen den wahren, rettenden Glauben gewähren, ein Geschenk, das Bestand hat, das in ein demütiges, durch Sündenerkenntnis gebrochenes Herz gelegt wird und schliesslich zum Gehorsam und zur Gerechtigkeit führt. Dies ist wahrer Glaube, ein Geschenk, das Gott allein geben kann. Wenn Sie es haben möchten, müssen sie Gott im Gebet bitten, es Ihnen zuteil werden zu lassen.“12
Achten Sie genau darauf, was John MacArthur hier tut. Anstatt den Sünder aufzufordern, an den Herrn Jesus zu glauben (Apg 16,31), fordert er ihn auf, Gott im Gebet um die Gabe des Glaubens zu bitten. Dadurch wird das Evangelium verdreht. Anstelle des Glaubens wird das Gebet zur Bedingung für die Errettung gemacht. Doch in der Bibel wird der Sünder aufgefordert, an Christus zu glauben. Er wird nicht aufgefordert, um die Gabe des Glaubens zu bitten.13
In den letzten Jahren hat die Lehre der sogenannten „Lordship salvation“ bei vielen reformatorischen Christen starke Unterstützung gefunden. Im Endeffekt besagt diese Lehre, dass der einfache Glaube an Jesus Christus nicht ausreiche. Zur Errettung brauche es noch etwas anderes: Eine völlige Hingabe an Jesus Christus. Man müsse sich bei der Bekehrung ganz persönlich unter die Herrschaft Christi begeben. Die Bereitschaft zum Gehorsam den Geboten Christi gegenüber sei Bedingung. Auch müsse der Sünder die Anforderungen der Nachfolge erfüllen, oder zumindest die Bereitschaft dazu zeigen.
Wir dürfen nie vergessen, dass der Mensch dadurch gerettet wird, dass er sich ganz auf die Gnade des liebenden Retters geworfen sieht, der am Kreuz für ihn gestorben ist. Nicht unsere Hingabe rettet uns, sondern nur unser Erlöser! Auch die Unterwerfung unter seine Herrschaft kann uns nicht retten, sondern nur unser Erretter! Nicht das, was ich für Gott tue, zählt, sondern das, was Gott für mich getan hat.
Wir dürfen nicht den gefährlichen Fehler begehen, die natürlichen Früchte der Errettung zur Bedingung für die Errettung zu machen:
Gottesfürchtiger Wandel und Geistesfrüchte sind Beweise für das Vorhandensein des rettenden Glaubens, aber sie sind nicht mit dem retten-den Glauben gleichzusetzen. Man darf die Frucht nicht mit der Wurzel verwechseln. Weil wir durch seine Gnade umsonst gerechtfertigt worden sind, können wir in Christus den Anforderungen Gottes nun völlig genügen (2Kor 5,21); weil wir aber schwach sind, versagen wir in der Nachfolge nur allzu oft (Lk 14,25-33, etc.). Die Nachfolge verlangt einiges von uns, doch zur Errettung braucht es nur den einfachen, vertrauensvollen Glauben an unseren Erretter.
Meine Hingabe an Jesus Christus kann mich nicht retten. Es ist die Gnade Christi, die mich rettet.Meine Unterwerfung unter seine Herrschaft kann mich nicht retten. Es ist die Gnade Christi, die mich rettet.Der Gehorsam seinem Wort gegenüber kann mich nicht retten. Es ist die Gnade Christi, die mich rettet.Die Liebe zu meinem Erlöser kann mich nicht retten. Es ist die Gnade Christi, die mich rettet.
Meine Fähigkeit – oder Unfähigkeit – all die Anforderungen der Nachfolge zu erfüllen, kann mich nicht retten. Es ist die Gnade Christi, die mich rettet.Mein Lebenswandel kann mich nicht retten. Es ist die Gnade Christi, die mich rettet.
Gottes rettende Gnade ist nur in unserem Herrn Jesus Christus zu finden.
Er allein kann die Ansprüche der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes erfüllen und so für das glaubende Herz „eine so grosse Errettung“ erwirken. „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“ (1Joh 5,12; beachte: alle Verben stehen in der Gegenwart).
Basiert Ihre Rechtfertigung auf dem Geschenk der Gnade, die im Erlösungswerk Jesu Christi zutage tritt? Setzen Sie Ihre Hoffnung auf das, was Sie getan haben, oder hoffen Sie ganz auf Jesu Blut und seine Gerechtigkeit? Möge der Herr schenken, dass wir alle fest auf Christus, dem ewigen Felsen, gegründet sind, und nicht auf den Treibsand unserer ach so hinfälligen guten Vorsätze bauen.
Weitere Broschüren zu diesem Thema:
Saved By Grace Alone – A Clarification of the Lordship Salvation Issue Salvation and Discipleship
Hier geht es um die Lehre, dass der Gläubige keine alte Natur mehr besitze. Nicht alle, aber viele reformatorische Christen vertreten diese Sicht. Zu den Befürwortern gehören John MacArthur14, M. Lloyd-Jones und David Needham. Gerade durch das Buch Birthright – Christian, Do You Know Who You Are? [dt. etwa: Geburtsrecht – Christ, weisst du, wer du bist?] von David Needham fand diese Lehre grosse Beachtung und viel Zustimmung.
Die folgenden Zitate von John MacArthur geben einen guten Einblick in die Sichtweise der Befürworter dieser Lehre:
Bei der Errettung geht es nicht darum, das bereits Existieren-de zu verbessern oder gar zu perfektionieren. Die Errettung bringt eine völlige Verwandlung... Nach der Wiedergeburt ist der Mensch „eine neue Schöpfung; das alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“ (2Kor 5,17). Der Mensch erhält also nicht einfach nur etwas Neues, sondern er selbst wird neugemacht ... Die neue Natur wird nicht einfach zu der alten hinzugefügt,sondernsieersetztdiealteNatur.DieverwandeltePerson ist eine vollkommen neue Persönlichkeit. In der Bibel ist nirgends von zwei verschiedenen Naturen die Rede. Der Christ hat nur eine Natur, und zwar die neue Natur in Christus.
Das alte Ich stirbt und das ‚neue Ich‘ lebt; sie existieren nicht nebeneinander. Es ist das immer noch vorhandene Gewand des sündigen Fleisches, das den Christen dazu bringt, zu sündigen, und nicht eine immer noch vorhandene alte Natur. Der Christ hat nur eine Persönlichkeit, er ist eine völlig neue Schöpfung und kein geistlich Schizophrener ... Der Gläubige wird ganz verwandelt, und doch ist er noch nicht absolut vollkommen. Die Sünde wohnt nach wie vor in ihm, aber sie herrscht nicht mehr über ihn. Er ist nicht mehr der verdorbene alte Mensch, sondern ein neuer Mensch, geschaffen in Gerechtigkeit und Heiligkeit, der in Erwartung der völligen Erlösung lebt.15
Das Verhältnis zwischen dem alten Ich und dem neuen Ich gibt immer wieder Anlass zur Diskussion. Viele glauben, dass der Gläubige bei der Bekehrung eine neue Persönlichkeit (ein ‚neues Ich‘) erhält, dass aber das alte Ich weiterhin bestehen bleibt. Doch dies würde bedeuten, dass bei der Errettung etwas hinzugefügt wird, anstatt dass eine Umwandlung stattfindet... Diese Sicht ist aber nicht in voller Übereinstimmung mit der biblischen Lehre. Bei der Errettung wird das alte Ich beseitigt (dazu führt J.MacArthur 2Kor 5,17 und Röm 6,6 an). Es findet eine Umwandlung statt – das alte Ich verschwindet und wird durch das neue Ich ersetzt.16
Auch diese Sichtweise hat ihre ganz praktischen Auswirkungen. Wenn der Gläubige nur eine neue Natur in Christus besitzt, sollte er auffallend frei von Sünde sein. Sein Lebenswandel sollte von wahrhaft aussergewöhnlicher Qualität sein. John MacArthur lehrt folgendes:
1) Der Gläubige wird sich vor dem Preisrichterstuhl in keiner Weise schämen müssen.17 Doch siehe 1. Johannes 2,28.
2) Der Gläubige steht in der Gemeinschaft mit Gott und nichts, nicht einmal Sünde, kann diese Gemeinschaft stören.18 Doch siehe Johannes 13,8.
3) Der Gläubige ist im Licht und kann nicht in der Finsternis wandeln.19 Doch siehe Epheser 5,8.
4) Der Gläubige braucht seine Sünden nicht zu bekennen, um Ver-
gebung zu erlangen.20 Doch siehe 1. Johannes 1,9 und 5,1.
5) Der Gläubige kann nicht länger von der Sünde beherrscht
werden.21 Doch siehe Galater 5,1.
Hinweis: Genauer Wortlaut dieser fünf Punkte und eingehende Diskussion siehe: The MacArthur Study Bible – A Critique, sowie The Teaching of John MacArthur on the Two Natures of the Believer, Kapitel 7.
Die Reformatoren haben sich nie ganz von der allegorischen [bildhaften] Deutung der Schrift eines Origenes und der Auffassung, die Augustinus von der Gemeinde und dem Tausendjährigen Reich hatte, gelöst und die meisten reformatorischen Theologen sind, wenn es um die Prophetie geht, immer noch in diesen Denkmustern verhaftet. Die Dispensationalisten hingegen glauben, dass die prophetischen Schriften in ihrem normalen, naheliegenden Sinn verstanden werden müssen.
Comparison Between the Present Age, the Millennium and the Eternal State Die Entrückung der Gemeinde (Skript), Roger Liebi What the Bible Teaches Concerning the Rapture Prophecy – Preview of Coming Events
Tausend Jahre Frieden, Werner Mücher, Daniel-Verlag The Greatness of the Kingdom, Alva McClain The Theocratic Kingdom, George Peters The Basis of the Premillennial Faith, Charles Ryrie, Loizeaux Brothers Millennialism: The Two Major Views, Charles Feinberg, BMH Books The Millennial Kingdom, John F. Walvoord, Zondervan The Coming Millennial Kingdom, D.K. Campbell & J.L. Townsend, Kregel The Interpretation of Prophecy, Paul Lee Tan, Bible Communications
Reformatorische Christen bejahen in der Regel die sogenannte Bundestheologie. Dieses theologische System hat sich in der Zeit nach der Reformation entwickelt. Die verschiedenen Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen, vom Zeitenanfang bis zum Ende der Weltzeit, werden in diesem System mit dem Bund der Werke, dem Gnadenbund und (manchmal) dem Bund der Erlösung erklärt.22 Reformatorische Theologen, bzw.
Bundestheologen lehren, dass die Israeliten des Alten Testaments und die Gläubigen des Neuen Testaments zu ein und demselben Volk gehören und dass Israel in der Gemeinde seine Fortsetzung findet. Die Gemeinde umfasst für sie gewöhnlich die Gesamtheit der Gläubigen aller Zeiten. Sie lehren, dass die Prophetien und Verheissungen Israels auf die Gemeinde übergegangen, ihr zuteil geworden seien. Dies bedeute, so ihre Argumentation, dass die Verheissungen, die Gott Israel gegeben hat, nun an der Gemeinde erfüllt würden oder aber, wegen Israels Unglauben, ganz verlorengegangen seien (doch siehe Jer 31,31-37). Damit steht diese Lehre dem Dispensationalismus, der klar und biblisch fundiert zwischen Gottes Plan mit Israel und Gottes Plan mit der Gemeinde unterscheidet, diametral entgegen (Apg 15,13-18; Röm 11,25-26).
Die Teilnehmer der Bibelkonferenz von Neuengland (New England Bible Conference) haben den Dispensationalismus in einer präzisen und aufschlussreichen Erklärung folgendermassen zusammengefasst (engl. Titel „A Clarification Regarding Dispensationalism“):
Wenn man das Wort Gottes, die Bibel, konsequent wörtlich auslegt, resultiert dies im Dispensationalismus. Der Dispensationalismus ist das Resultat einer konsequenten, wörtlichen, einfachen Auslegung der Heiligen Schrift.
Eine Dispensation („Verwaltung“, „Haushaltung“, „Heilszeit“) ist ein besonderer Abschnitt in der Verwirklichung von Gottes Ratschluss für diese Zeit. In jeder Heilszeit wird eine bestimmte Menschengruppe oder die gesamte Menschheit zum Glauben aufgerufen. Sie sind dann auch dafür verantwortlich, dass die jeweils von Gott gegebene Offenbarung treu verwaltet wird (Eph 3,2.9; Kol 1,25; 2Mo 34,27-28; Gal 3,10-12; 1Tim 1,4; Eph 1,10; etc.).
Wir glauben, dass es – um „das Wort der Wahrheit recht teilen“ zu können – unerlässlich ist, dass man ungleiche Dinge auseinandernimmt und erkennt, wo die Bibel grundlegende Unterschiede macht. Da ist einmal der Unterschied zwischen dem Plan Gottes für das Volk Israel und der Plan Gottes für die Gemeinde (Apg 15,14-17; Röm 11,25-27), die Zeitspanne von 1‘000Jahren,diezwischendererstenundderzweitenAuferstehungliegt(Offb20,4-6),dieUnterscheidungderverschiedenen Gerichte, die zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden werden (2Kor 5,10; Mt 25,31-46; Offb 20,11-15), der Unterschied zwischen dem Gesetz und der Gnade (Joh 1,17; Röm 6,14-15; Röm 7,1-6) und der Unterschied zwischen dem Sitzen Christi zur Rechten des Vaters in der jetzigen Zeit als Fürsprecher für die Gläubigen und seinem Sitzen auf dem wiederhergestellten Thron Davids im Tausendjährigen Reich als verherrlichter Messias (Hebr 1,3; 10,12-13; Apg 15,16; Lk 1,32).
Wir glauben, dass die Gemeinde eine eigenständige Körperschaft bestehend aus allen neutestamentlichen Gläubigen darstellt. In alttestamentlicher Zeit gab es auf dieser Erde noch keine solche Körperschaft und sie wird in der alttestamentlichen Prophetie auch nicht erwähnt (Eph 3,1-9; Kol 1,25-27). Nach Gottes Ratschluss und Zeitplan sollte es aber zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Herrn auf dieser Erde eine solche Körperschaft geben. Der Dienst der Gemeinde begann mit dem Ablauf der 69. Jahrwoche Daniels (an Pfingsten, Apg 2) und wird mit der Entrückung zu Beginn der 70. Jahrwoche Daniels enden (Dan 9,24-27). Während dieser Zeitspanne sucht Gott die Nationen heim, um sich aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen (Apg 15,14-16; Eph 3,1-11; Röm 11,25). Die Gemeinde ist „die Herausgerufene“ Gottes.
Wir glauben, dass Gott seine Verheissungen im Blick auf seinen Bund mit Israel und das Tausendjährige Reich auch tatsächlich erfüllen wird – genau so, wie es die Propheten vorausgesagt haben (1Mo 12,2-3, 15,18-21; 5Mo 30,3-10; 2Sam 7,4-17; Jer 31,31-37; 33,15-26). Wir glauben, dass die Verheissungen des Bundes mit Abraham (1Mo 12,15.17), des palästinischen Bundes (Landbund; 5Mo 30), des Bundes mit David (2Sam 7) und des Neuen Bundes (Jer 31), die Gott mit Israel als Nation geschlossen hat, an keine Bedingungen geknüpft sind und dass diese Verheissungen im Tausendjährigen Reich am Volk Israel erfüllt werden (Jer 31,31-37; 33,14-26; Hes 36,25-28.40-48; Röm 11,23-32). Die Gemeinde ist nicht das „neue Israel“ oder das „geistliche Israel“, sondern „ein neuer Mensch“, der sich aus zwei Gruppen zusammensetzt, den geretteten Juden und den geretteten Heiden (Eph 2,15; 1Kor 10,32). Die Begriffe „Israel“, „Israelit“ und „Jude“ beziehen sich im Neuen Testament immer auf das Volk Israel als Nation. Der Ausdruck „Israel“ wird immer entweder für das gesamte jüdische Volk oder für den gläubigen Überrest gebraucht. „Israel“ bezeichnet jedoch nie die Gemeinde oder gar die Gläubigen aus den Heiden. Die erretteten Gläubigen des Gemeindezeitalters sind geistlich gesehen Söhne Abrahams, welcher der Vater aller Glaubenden ist (Röm 4,12.16; Gal 3,7.26.29), seien es nun Juden oder Heiden; doch gläubige Heiden sind keine Israeliten (das heisst, sie sind keine Söhne Jakobs). In Römer 9,4-5 definiert Paulus ganz klar, was unter einem Israeliten zu verstehen ist.
Wir glauben, dass Gott – um seines grossen Namens willen – in jeder Heilszeit seinen besonderen Ratschluss zur Ausführung kommen lässt und dass die Menschen in jeder Heilszeit nur durch Gnade und durch den Glauben gerettet werden können (Eph 2,8; 1Mo 15,6; Hebr 11,4-7; Röm 4,1-8). Wir glauben, dass die Verherrlichung Gottes der tragende Grundsatz und das Hauptziel seines Handelns mit den Menschen ist und dass sich Gott den Menschen und der Engelwelt in jeder Heilszeit offenbart, damit alles zum Preise seiner Herrlichkeit ausschlage (Eph 1,6.12.14; 3,21; Röm 11,33-36; 16,27; Jes 43,7; 1Tim 1,17).
Zu diesem Thema empfehlen wir die folgenden Bücher:
Die biblische Lehre der Heilszeiten, Ernst G. Maier, CMD Heilsgeschichtliche Schriftauslegung, Arndt Bretschneider, CV Gott schreibt Geschichte, Arndt Bretschneider, CV Achte auf den Unterschied, William MacDonald, CV There Really Is a Difference, Renald Showers, The Friends of Israel Gospel Ministry Dispensationalism, Charles Ryrie, Moody Press
Die Lehre der Reformatorischen Theologie über die Heiligung ist irreführend, da sie den Gläubigen zurück zum Sinai bringt, anstatt ihn auf Golgatha hinzuweisen. Doch Paulus legt die Betonung immer auf Golgatha: „O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht, euch, denen Jesus Christus als unter euch gekreuzigt vor die Augen gemalt worden ist?“ (Gal 3,1). „Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ (Gal 6,14).
Reformatorische Christen würden nie lehren, dass die Rechtfertigung durch Gesetzeswerke geschieht. Sie bestehen mit Recht darauf, dass man nur aufgrund des Glaubens und nicht aufgrund von Werken gerechtfertigt werden kann. „Rechtfertigung durch Glauben“ lautete der schriftgemässe Grundsatz der Reformation. Bei dem Problem, das wir hier ansprechen möchten, geht es also nicht um die Frage der Rechtfertigung. Es geht vielmehr um die Heiligung (also um das christliche Leben und wie es gelebt werden soll). Reformatorische Theologen lehren übereinstimmend, dass die Gläubigen dem Gesetz als Lebensregel unterworfen seien. Sie räumen gewöhnlich ein, dass der Gläubige nicht mehr unter dem zeremoniellen Gesetz stehe (Opfer, etc.), meinen aber, er sei immer noch unter dem moralischen Gesetz (zehn Gebote, etc.). Die Lehre, dass der Gläubige dem Gesetz „als Lebensregel“ unterworfen sei, ist geradezu charakteristisch für alle reformatorischen Theologen.
Miles Stanford, der Verfasser des Buches The complete Green Letters (herausgegeben von Zondervan in der Clarion Classics-Serie) hat folgende Liste von calvinistischen oder reformatorischen Autoren herausgegeben, die für diese Position eintreten, und die viele Gläubige mit ihrem Gedankengut geprägt haben:
| Adams, J. | Edwards, J. | Mauro, P. | Smeaton, G. |
| Allis, O. | Fletcher, D. | Morris, L. | Steele, D. |
| Bass, C. | Fuller, D. | Murray, G. | Stonehouse, N. |
| Baxter, R. | Gerstner, J. | Murray, J. | Stott, J. |
| Berkof, L. | Gill, J. | Nicole, R. | Thomas, C. |
| Berkouwer, G. | Goodwin, T. | Owen, J. | Van Til, C. |
| Boettner, L. | Haldane, R. | Packer, J. | Van Til, H. |
| Boice, J. | Hamilton, F. | Payne, H. | Vos, G. |
| Bonar, A. | Hodge, A. | Pink, A. | Warfield, B. |
| Boston, T. | Hodge, C. | Romaine, Wm. Watson, R. | |
| Brown, D. | Kromminga, D. | Ryle, J. | Watson, T. |
| Bunyan, J. | Kuiper, H. | Schaeffer, F. | Wyngaarden, M. |
| Conn, H. | Kuyper, A. | Shedd, Wm. | |
| Cox, Wm. | Lloyd-Jones, M. | ||
Viele der hier aufgeführten Männer sollen und können als vorbildliche, gottesfürchtige Männer geachtet werden. Ihr Einsatz für die Sache des Herrn verdient unsere Beachtung. Trotzdem liegen sie, so oft sie behaupten, der Gläubige sei dem Gesetz als Lebensregel unterworfen, falsch. Der Blick des Gläubigen muss in der Frage der Heiligung auf Golgatha, nicht auf den Sinai, gelenkt werden. Nur beim Kreuz ist wahre Freiheit zu finden.
Im Vorwort zu William Huntingtons Klassiker The Believer‘s Rule of Life sagt W.J. Berry treffend:
Es ist eine göttliche Tatsache, dass Christus die Erlösten – der Name sagt es ja bereits – völlig von der Knechtschaft und den Konsequenzen des Gesetzes mit all seinen Regeln und Strafen befreit hat. Diese Wahrheit wurde zuerst von den Pharisäern und einigen Judenchristen geleugnet und sie hätten wohl die Oberhand gewonnen, wenn die Apostel die Sache damals nicht ein für allemal geklärt hätten. Das Wichtigste von dem, was dabei herauskam, wurde im Bericht über das Konzil von Jerusalem festgehalten (Apg 15,1-35); wir lesen darüber bei der Zurechtweisung des Petrus durch den Paulus; in der Rüge des Apostels an die Judaisten in Galatien (Galaterbrief); in den Ausführungen im Römerbrief und schliesslich, zur endgültigen Klärung, im Hebräerbrief. Doch trotz dieser klaren, göttlichen Proklamation, sind Männer in die Gemeinden eingedrungen und haben wieder das mosaische Gesetz gelehrt. Auf dem KonzilvonNizza,dasvomrömischenKaiserKonstantineinberufen worden war, stellten dessen Bischöfe erstmals ein judaistischchristliches Regelwerk auf, das durch das dunkle Mittelalter hindurch von Päpsten und Bischöfen verschiedenster Stellung ausgebaut und von den protestantischen Reformatoren in abgeänderter Form übernommen und weitergeführt wurde – und sich daher bis heute in der gesamten Christenheit findet... Es geht hier nicht um die Frage nach Gut und Böse. Es ist eine Frage des Dienstverhältnisses. All jene, die unter dem Gesetz stehen, dienen der Sünde zur Verdammnis; diejenigen, die vom Gesetz befreit sind, stellen sich nun als Söhne in den Dienst der Gerechtigkeit zur wahren Heiligkeit (Röm 6,15-23).
Die frühen Dispensationalisten standen im Blick auf diese Problematik ganz klar:
Das Gesetz lehrt mich, dass Gott Diebstahl hasst. Dass ich nicht mehr stehle, ist aber nicht dem Gesetz zuzuschreiben. Ich darf das ganze Wort Gottes mein Eigen nennen, alles ist zu meiner Belehrung geschrieben; doch trotz alledem bin ich nicht unter Gesetz, sondern ich bin ein mit Christus Gekreuzigter und lebe daher nicht mehr im Fleisch, in dem das Gesetz seine Anwendung findet. Ich bin durch den Leib Christi dem Gesetz getötet worden (Römer 7,4). John Darby Die Männer, die dem Gläubigen als Lebensregel das Gesetz aufbürden wollen, meinen es zwar gut, doch basiert das Ganze auf einem fatalen Irrtum, denn das Gesetz ist all jenen, die eine sündige Natur haben, keine Lebensregel, sondern eine Regel zum Tode. Das Gesetz kann uns in keiner Weise von der Sünde befreien; es kann unsere sündige Natur nur verdammen. Es ist nicht ein Mittel zur Heiligung, sondern die Kraft der Sünde (1Kor 15,56). William Kelly
Wir sind überzeugt, dass das Gebäude der wahren, praktischen Heiligung nie auf dem Fundament des Gesetzes errichtet werden kann. Wir möchten unseren Lesern daher die Worte von 1 Korinther 1,30 zurufen. Es ist zu befürchten, dass viele, welche sich, wenn es um die Rechtfertigung geht, nicht mehr auf das Gesetz stützen, sich weiterhin ans Gesetz klammern, wenn es um die Heiligung geht. Wir vermuten, dass dies das Problem von Tausenden von Christen ist und es ist uns ein ernstes Anliegen, diesen Fehler korrigiert zu sehen... Es ist offensichtlich, dass Gesetzeswerke den Sünder nicht rechtfertigen können. Dass das Gesetz nicht die Lebensregel für den Gläubigen sein kann, ist genauso offensichtlich. ... Was die Lebensregel des Gläubigen betrifft, so sagte der Apostel Paulus nicht: „Denn das Gesetz ist für mich das Leben“, sondern: „Denn für mich ist Christus das Leben“ (Phil 1,21). Christus ist unser Massstab, unser Vorbild, unser Prüfstein, unser Alles... Wir respektieren die zehn Gebote als Teil des inspirierten Wortes Gottes; mehr noch, wir glauben, dass das Gesetz nach wie vor die Macht hat, über den Menschen zu herrschen und ihn zu verdammen, solange er lebt. Man lasse den Sünder nur einmal versuchen, durch das Gesetz Leben zu empfangen, und sehe dann, wohin es ihn führt; dann lasse man einen Gläubigen nach dem Gesetz wandeln, und sehe dann, was es aus ihm macht. Wir sind völlig überzeugt, dass jemand, der im Sinne des Evangeliums vorangeht, weder morden noch stehlen wird; doch wir sind ebenso überzeugt, dass jemand, der sich auf die Regeln des mosaischen Gesetzes beschränkt, den Anforderungen des Evangeliums nie genügen kann. C.H. Mackintosh23
Die meisten von uns sind Denkmuster der Galater verhaftet, unter dessen Einfluss wir gross geworden sind. Die protestantische Theologie ist mit wenigen Ausnahmen durch und durch von diesem Gedankengut durchdrungen. Weder dem Gesetz noch der Gnade wird der Platz zugestanden, den sie gemäss den Ratschlüssen Gottes haben sollten. Sie werden vielmehr in inkonsequenter Weise miteinander vermischt. Wir werden aufgefordert, das Gesetz zu halten, und man sagt uns, dass wir dies mit der göttlichen Hilfe auch tun könnten. Dadurch hat das Gesetz nicht länger den Dienst des Todes (2Kor 3,7), der Verdammung (Gal 3,10), der Überführung (Röm 3,19), den es nach dem göttlichen Vorsatz haben sollte. Die Gnade ihrerseits bringt uns nicht mehr die segensreiche Befreiung von der Herrschaft der Sünde, da wir, entgegen der klaren Aussage von Römer 6,14, dem Gesetz als Lebensregel scheinbar immer noch unterworfen sind. C. I. Scofield
Wir haben zuvor gesehen, dass vor Gott kein Mensch durch Gesetzeswerke gerecht sein kann. Wenn aber nun der Sünder durch Glauben gerechtfertigt ist, braucht er das Gesetz, um Gott zu gefallen? Kann Gehorsam gegenüber dem Gesetz in ihm die Früchte der Heiligkeit vor Gott hervorbringen? Welche Beziehung besteht zwischen dem gerechtfertigten Sünder und dem Gesetz? Ist er noch unter der Herrschaft des Gesetzes, oder ist er auch vom Gesetz und seinen Banden befreit? Diese Fragen werden in diesem Kapitel (Römer 7) beantwortet. „Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, damit ihr einem anderen zu eigen seid, nämlich dem, der aus den Toten auferweckt worden ist, damit wir Gott Frucht bringen... Jetzt aber sind wir vom Gesetz frei geworden, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so dass wir in neuem Wesen des Geistes dienen und nicht im alten Wesen des Buchstabens.“ (Röm 7,4.6). Arno C. Gaebelein24
Der Gläubige steht nicht mehr unter dem Gesetz. Das Gesetz dient ihm nicht zur Rechtfertigung und auch nicht als Norm für die christliche Lebensführung. Er ist gerechtfertigt aus Gnaden und wird nun dazu aufgerufen, in der Gnade zu wandeln... Wir haben hier (Römer 7,14-25) einen Juden vor uns, der um Heiligung ringt, indem er das Gesetz als Lebensregel benützt, und der mit aller Kraft versucht, seine alte Natur dem Gesetz gefügig zu machen. In der heutigen Christenheit macht der Gläubige aus den Nationen in der Regel dieselbe Erfahrung; denn die Unterstellung unter das Gesetz wird praktisch überall gepredigt. Wir empfinden es als normal, wenn jemand, der sich bekehrt hat, zum Ausdruck bringt, er sei jetzt aus Gott geboren und die Unterwerfung unter das Gesetz und damit das Leben in Heiligkeit sei nur eine Frage des guten Willens und der Beharrlichkeit. Gott lässt diese Prüfung im Leben der Gläubigen zu, damit sie aus eigener Erfahrung lernen, dass ihr Fleisch (ihre alte Natur) kein bisschen besser ist als das der Ungläubigen. Sobald der Gläubige seine eigenen Versuche aufgibt, erlebt er in der Beschäftigung mit seinem auferstandenen Herrn die vom Geist gewirkte Befreiung. H. A. Ironside25
Die Heilige Schrift verurteilt schonungslos jeglichen Versuch, den christlichen Gläubigen „unter das Gesetz“ zu stellen. Zur Bekämpfung dieser Irrlehre hat uns der Heilige Geist, durch den Apostel Paulus, den Galaterbrief geschenkt. Lesen Sie den Brief mehrmals sorgfältig durch und versuchen Sie herauszufinden, worin denn das Problem, das der Schreiber aufzudecken versuchte, genau bestand. Es ging nicht darum, dass das Evangelium der Gnade vollständig verworfen worden wäre und die Galater sich wieder ganz dem Gesetz hätten zuwenden sollen. Der Apostel greift hier vielmehr die Lehre an, wonach das christliche Leben, nachdem es im einfachen Glauben an Christus begonnen worden ist, unter dem Gesetz oder unter einem Teil des Gesetzes weitergeführt werden solle (Gal 3,2-3). Alva McClain26
Den Schlüssel zur christlichen Lebensführung finden wir nicht beim Sin-ai, sondern auf Golgatha. Nur dort lernen wir, dass wir „gestorben sind“ und unser „Leben verborgen ist mit dem Christus in Gott“ (Kol 3,3). Beim Sinai hat das Gesetz seinen Ursprung, aber aus Golgatha fliesst, ja sprudelt die Gnade hervor. Es ist die Gnade, die uns in Zucht nimmt, „damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit“ (Titus 2,11-12). Die unverständigen Galater waren bereit, Golgatha gegen den Sinai einzutauschen, obwohl ihnen Jesus Christus klar und deutlich als unter ihnen gekreuzigt vor die Augen gemalt worden war (Gal 3,1). „Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ (Gal 6,14).
Aus Platzgründen können wir hier leider nicht tiefer auf das Thema eingehen, doch empfehlen wir dem Leser wärmstens die Broschüre What is the Believer‘s Rule of Life?, die sich eingehend mit diesen Fragen beschäftigt.
Weitere Schriften zu diesem Thema:
Gesetz und Gnade (2 MC), Roger Liebi, CLKV Das Gesetz - Die Lebensregel des Christen?, J.G. Fijnvaandrat, CSV Law And Grace, Alva McClain, BMH Books Romans – The Gospel of God’s Grace Romans, William Newell, besonders seine Gedanken zu Kapitel 6+7 New Testament Teaching on How to Live the Christian Life
Ein Teil der reformatorischen Christen ist geneigt, das Leben und den Dienst unseres Herrn hier auf dieser Erde zu stark zu betonen, während sie seiner himmlischen Stellung und seinem Dienst in der Herrlichkeit nicht den gebührenden Stellenwert geben. Zum Beispiel wird oft gelehrt, dass die Bergpredigt das A und O der christlichen Lebensführung sei. John MacArthur ist ein typischer Vertreter dieser Sichtweise. Er besteht darauf, dass die Bergpredigt „in erster Linie für Christen bestimmt sei“ und als „Wahrheit für uns“27 betrachtet werden müsse.
Siehe dazu die Broschüre The Sermon on the Mount – Is it For the Church Today? (Die Antwort lautet: JA und NEIN)
Dass die gesamte Schrift „nützlich zur Belehrung“ ist, ist für uns keine Frage (2Tim 3,16). Natürlich können wir auch von den Evangelien profitieren. Sie sind von unschätzbarem Wert für das glaubende Herz. Die Bergpredigt ist reich an Wahrheiten, Anwendungsmöglichkeiten und Lektionen für das Gotteskind. Aber die Offenbarung Gottes für die Gemeinde finden wir in den Briefen, nicht in den Evangelien. Möchten wir die Bücher, die in besonderer Weise an die Gemeinde gerichtet, niemals vernachlässigen. Dort finden wir unseren himmlischen Herrn, aufgefahren, verherrlicht und sitzend zur Rechten Gottes, und dort finden wir auch uns, mitsitzend mit Ihm.
Beachten Sie die Worte des Paulus in 2. Korinther 5,16: „So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch; wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch nicht mehr so.“ Die Briefe sind uns nicht gegeben worden, damit wir Christus wieder nach dem Fleisch kennenlernen, sondern damit wir ihn als grossen Hohenpriester sehen, der sich, nachdem er das vollkommene Erlösungswerk am Kreuz vollbracht hatte, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat.
Im Neuen Testament, angefangen bei der Apostelgeschichte bis hin zur Offenbarung, finden sich:
183 Stellen, die vom Leiden und Sterben unseres Herrn sprechen.97 Stellen, die von seiner Auferstehung sprechen.162 Stellen, die von seiner himmlischen Stellung und seinem Dienst in der Herrlichkeit sprechen.203 Stellen, die von der Wiederkunft Christi (als König, Richter, etc.) sprechen.
Nur 8 Stellen sprechen von seinem Leben und Dienst auf
dieser Erde.
Im folgenden die 8 Stellen, die vom Dienst und Leben unseres Herrn auf dieser Erde sprechen:
1) Apg 20,35: Hier verweist Paulus auf einen Ausspruch des Herrn. 2) Apg 2,22: Diese Stelle spricht vom Dienst des Herrn auf dieser Erde und den Wundern, die er vollbracht hat. 3) Apg 10,38: Dieser Vers fasst den Dienst des Herrn auf dieser Erde zusammen.
4) 1Tim 3,16: Hier wird uns das Leben des Herrn Jesus und sein Zeugnis als Vorbild für den Wandel und den Zeugendienst der Gemeinde vorgestellt.28
5) 1Tim 6,13: Diese Stelle zeigt uns den Herrn vor Pilatus, bevor er zum Tod verurteilt wird.
6) 2Pet 1,15-18: Hier ist von der Verklärung Jesu die Rede (die ja eigentlich ein Ausblick auf das Tausendjährige Reich darstellte. Dieser Vers könnte daher zu den Versen gerechnet werden, die vom zweiten Kommen des Herrn sprechen).
7) Hebr 4,15: Dieser Vers spricht davon, dass auch Christus versucht worden ist (dazu auch Hebr 2,18), doch ohne Sünde. Der inhaltliche Schwerpunkt dieser Stelle liegt jedoch auf seinem hohenpriesterlichen Dienst.
8) Hebr 5,7: Hier ist von den Seelenqualen des Herrn im Garten Gethsemane kurz vor seinem Tod die Rede.29
In den neutestamentlichen Briefen liegt also der Schwerpunkt ganz klar auf der himmlischen Stellung und dem Dienst unseres erhöhten Herrn in der Herrlichkeit. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben. Er ist es, der dem Leib das Leben gibt. Er ist das Haupt der Gemeinde. Im Hebräerbrief hat Gott uns ein Buch gegeben – und der Hebräerbrief ist einer der längsten Briefe – das den gegenwärtigen Dienst unseres Herrn in der Herrlichkeit als Fürsprecher für die Seinen zum Hauptthema hat.
Wir sollten nie vergessen, dass der Herr Jesus auf der Auferstehungsseite des Kreuzes steht. Er ist auferstanden, in den Himmel aufgefahren, und von Gott verherrlicht und erhöht worden. Johannes 17 malt dem andächtigen Leser einen verherrlichten Herrn vor die Augen („Ich habe das Werk vollendet“, „Ich bin nicht mehr in der Welt“ und „Nun aber komme ich zu dir“).
„Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ (Kol 3,1-2).
Die Pioniere des Dispensationalismus (Darby, Kelly, Mackintosh, etc.) jubelten über ihre Stellung in Christus. Wenn auch dem Leibe nach noch auf dieser Erde, sahen sie sich doch als Mitsitzende mit Christus in der Herrlichkeit. Sie waren sich ihrer hohen, himmlischen Berufung bewusst. Sie hatten verstanden, dass wir mit Christus einsgemacht sind, nicht nur in seinem Tod und seiner Auferstehung, sondern auch in seiner Himmelfahrt und seinem Sitzen zur Rechten des Vaters in der Herrlichkeit. Reformatorisch gesinnte Männer rufen uns zu: „Schaue hinauf“. Doch Dispensationalisten, die sich der erhabenen Stellung des Gläubigen bewusst sind, haben ein besseres Wort: „Schaue hinab“30. Warum das? „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“ (Kol 3,3). Lasst uns nie die richtige Perspektive verlieren!
„Und hat uns mitauferweckt und mitversetzt in die himmlischen [Regionen] in Christus Jesus“ (Eph 2,6). „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter“ (Phil 3,20). „Und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus“ (Phil 3,14). „Daher ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus“ (Hebr 3,1).
In den Evangelien finden wir keine solchen Aussagen, auch nicht in der Bergpredigt. Die Israeliten haben im Alten Testament nirgends eine solche Zusage erhalten. Es ist tatsächlich ein wunderbares und einzigartiges Werk, das Gott in diesem Zeitalter wirkt.
Wenn die Reformatorische Theologie auch viele Vorzüge aufzuweisen hat, so liegt sie doch in einigen wichtigen Gebieten falsch. Der Einfluss des extremen Calvinismus fordert ein Evangelium, das nur für die Erwählten gilt. Das Festhalten am Gesetz, das doch nur Tod bringen kann, durchdringt ihre gesamte Lehre über die christliche Lebensführung und Heiligung. Dazu kommen die verworrenen Lehren über den wahren Charakter der Gemeinde, die Bündnisse, Israels Zukunft, das Tausendjährige Reich, den rettenden Glauben, die erhabene Stellung der Gläubigen, etc. Angesichts all dessen kann man wohl sagen, dass wir es hier mit einem theologischen System zu tun haben, das in einigen zentralen Punkten stark angeschlagen ist. Möchten wir doch in dem bleiben, was der gesunden Lehre entspricht, und mit geöffneter Bibel, einem einfältigen und bussfertigen Herzen und in Ehrfurcht dem geschriebenen Wort Gottes gegenüber voranschreiten.
1 Anmerkung P. Tschui: Wobei diese Wahrheiten nie ganz verloren gegangen waren. Es gab immer Gläubige ausserhalb der grossen Staatskirchen, die an den biblischen Wahrheiten festhielten. (Vgl. 2000 Jahre Gemeinde Jesu, CVD)
2 John MacArthur ist in einigen Bereichen dispensationalistisch (besonders im Gebiet der Prophetie), in anderen Gebieten wiederum reformatorisch gesinnt. Der reformatorische Theologe John Gerstner hat einmal gesagt, John MacArthur sei so weit vom Dispensationalismus entfernt, wie einer nur sein könne und dabei trotzdem noch Dispensationalist genannt werden könne (von einer Tonbandaufnahme vom 27.11.1986, Geneva College, USA). Siehe dazu The Teachings of John MacArthur with respect to Dispensationalism.
3 Es ist interessant, dass viele reformatorische Christen durch Dispensationalisten zum Glauben gekommen und erst später durch reformatorische Schriften von diesem Gedankengut überzeugt worden sind. John Gerstner, zum Beispiel, kritisiert den Dispensationalismus in einem Buch, gibt aber zu: „Ich glaube, meine Bekehrung kam auf das Zeugnis eines Dispensationalisten hin zustande“ (aus Wrongly Dividing the Word of Truth, S. 1).
4 Aus Miscellaneous Writings von C.H.M., unter der Überschrift: One Sided Theology.5 C.H. Mackintosh, Short Papers on Scripture Subjects, Bd. 2, S. 267.6 Richard Baxter, Universal Redemtion of Mankind, S. 286-287. Mit seinen Aussagen
spielt R. Baxter auf die folgenden Verse an: Joh 4,42; 1Joh 2,2; 1Tim 2,4-6; Hebr 2,9 (englisches Original); 2Pt 2,1. Anstatt Hebr 2,9 wurde in der deutschen Übersetzung 2Pt 3,9 zitiert, da in Hebräer 2,9 in der deutschen Bibel nicht „jedermann“ steht, sondern „alle“.
7 Jay Adams, Competent to Counsel, S. 70. 8 W. Lindsay Alexander, A System of Biblical Theology, Bd. 2, S. 111. 9 Dieses Zitat wurde einem Abschnitt von Robert Lightner im Buch Walvoord: A Tribute entnommen (S. 166).
10 Robert Lightner, The Death Christ Died, S. 114.
11 Dieser Artikel mit dem Titel The Gift of God von Roy L. Aldrich ist höchst empfehlenswert. Er ist 1965 in der Juliausgabe der theologischen Fachzeitschrift Bibliotheca Sacra (S. 248-253) erschienen.
12 Aus einer Tonbandaufnahme über das Thema „Lordship Salvation“ von John MacArthur, GC 90-21
13 Wir möchten nochmals auf den ausgezeichneten Artikel ,The Gift of God, von Roy L. Aldrich, Bibliotheca Sacra, Juli 1965, S. 248-253, hinweisen.
14 John MacArthur folgt in etlichen Punkten der reformatorischen Theologie. In seinen zwei Büchern über Lordship Salvation greift er den Dispensationalismus an, obwohl er sich selbst auch zu den Dispensationalisten zählt.
15 The MacArthur New Testament Commentary – Ephesians, S. 164. 16 The MacArthur New Testament Commentary – Colossians and Philemon, S. 148.
17 Marks of a True Believer, S. 34,37 (Moody Press), siehe auch The MacArthur Study Bible unter 1Joh 2,28.
18 Confession of Sin, S. 12-14,55 (Moody Press), siehe auch The MacArthur Study Bible unter 1Joh 1,3.
19 Confession of Sin, S. 28,32,33,34 und Faith Works, S. 167, siehe auch The MacArthur Study Bible unter 1Joh 1,7.
20 Confession of Sin, S. 48,52,55. John MacArthur unterscheidet die zwei Aspekte der Vergebung nicht, die uns in der Bibel vorgestellt werden. Da ist einmal die Vergebung, die es braucht, damit wir errettet werden können (Apg 10,43), und andererseits die Vergebung, die nötig ist, damit wir Gemeinschaft mit Gott haben können (1Joh 1,9). Siehe dazu unsere Studie Two Aspects of Forgiveness.
21 Faith Works, S. 117.
22 Die Dispensationalisten hingegen betonen die Bündnisse, die in der Bibel erwähnt werden, wie der abrahamitische Bund, der mosaische Bund, der davidische Bund und der Neue Bund.
23 The Mackintosh Treasury – Miscellaneous Writings by C.H.M., S. 628,653-654.24 Gaebelein‘s Concise Commentary on the Whole Bible, S. 907.25 The Continual Burnt Offering, siehe unter 18. September, und Romans, S. 89.26 Dieses Schlusszitat von Alva J. McClain stammt aus seinem Buch Law and Grace,
S. 51-52. Wir möchten das ganze Buch wärmstens empfehlen. Es wurde von BMH Books, Winona Lake, IN 46590, herausgegeben.
27 Lampen ohne Öl, CLV, Anmerkung 15 zu Kapitel 1, S. 239. John MacArthur steht all jenen kritisch gegenüber, die die Bergpredigt einem anderen Zeitalter zuordnen
(S. 214). 28 Siehe dazu die Studie sowie das Buch The Mystery of Godliness. 29 Auch Hebr. 12,3 könnte zu diesen Stellen gerechnet werden. Hinweise auf weitere
Stellen, die vom irdischen Leben und Dienst unseres Herrn sprechen und die ich hier nicht aufgeführt habe, nehme ich gerne entgegen. 30 Dieser Merksatz wurde mir von Miles Stanford zugeschickt.